Über mich

nemo ignorat ist Ulrike Bogdan.uli

Inzwischen seit einem halben Jahrhundert auf dieser Welt, habe ich immer schon zwischen den Stühlen gehockt. Einerseits will mein Verstand gefordert werden, andererseits brauchen meine Hände ebenso viel zu tun. Das machte die Berufswahl nach dem Abitur recht schwierig, denn einerseits wäre ich gern Schreinerin geworden, andererseits wollte ich studieren. Die mangelnde Bereitschaft vor über 30 Jahren eine Frau als Lehrling aufzunehmen und mein mangelnder Mut es durchzusetzen, führten mich schließlich an die Uni. Dort studierte ich erst Sinologie im Hauptfach und Japanologie im Nebenfach, wechselte aber nach 4 Semestern das Hauptfach, um – Ironie des Schicksals – Japanisch loszuwerden. Mein neues Hauptfach Anglistik (Linguistik und Literaturwissenschaft) nahm aber nach ein paar Semestern soviel Raum ein, dass mir keine Energie mehr für Chinesisch blieb. (Ich war immer schon ein extrem monogamer Mensch.) Und so entschloss ich mich schweren Herzens Sinologie abzubrechen und holte die Philosophie an Bord. In Linguistik, Anglistischer Literaturwissenschaft und Philosophie machte ich schließlich auch meinen Magister Artium. Ja, ich darf einen richtigen Titel führen.

Zum Glück fiel mein Studium in eine Zeit, zu der man stark an die Humboldtschen Ideale eines Studium Generale glaubte und so konnte ich neben meinen Hauptfächern auch Vorlesungen in Chemie, Medizin und Physik besuchen, ein paar weitere Sprachen anfangen und Theater spielen, im Chor singen, mich politisch engagieren und damit die Hände nicht zu kurz kommen, Fahrräder und Möbel bauen.

Nach dem Magister versuchte ich mich an einer Promotion, die leider an Geld und fehlenden Stellen an der Uni scheiterte und so übersetzte ich Bücher, unterrichtete in der Erwachsenenbildung Sprachen, diverse Computerprogramme, Soziales und Geschichte, arbeitete als Webdesignerin, Sekretärin und im DTP-Bereich. Wenn mich mein Studium in den Geisteswissenschaften auf eines vorbereitet hatte, dann darauf mich schnell in neue Themen einarbeiten zu können.

Die klassischen Handarbeiten wie Stricken, Nähen und Häkeln wurden mir schon als kleinem Kind beigebracht. Zum Glück galt während meiner Schulzeit in vielen Fächern noch das Motto: Wer aufpasst und mitarbeitet, darf auch stricken. Nähen wurde damals noch an der Schule gelehrt und als ich 11 war, bestand meine Mutter auf einem „richtigen“ Nähkurs.

first spindleWas mich immer faszinierte war Spinnen. Eine meiner WG-Mitbewohnerinnen hatte ein Spinnrad um das ich immer herumschlich. (Sie lies mich aber leider nicht dran.) Da ich mir mein Studium zum größten Teil selbst verdienen musste, kam ein solches Gerät mitsamt dem Spinnkurs, der damals von einem Laden in Würzburg angeboten wurde, nicht für mich in Betracht. Später folgte dann eine Zeit der sportlichen Aktivitäten. Ich unternahm ausgedehnte Radtouren (vor allem in Großbritannien), ging Klettern, hatte genug an der Uni, in der Politik und dem Theater zu tun und vergaß das Spinnrad. Bis ich vor über 15 Jahren nach einem Jahr reiner Computertätigkeit mit ein bisschen mehr Geld als sonst und einem großen Bedürfnis nach handwerklicher Arbeit dastand und mir wieder einfiel, dass ich immer schon spinnen lernen wollte.

Freigeistiger als noch 10 Jahre zuvor und mit Zugang zu dem damals noch ziemlich neuen und wundersamen Internet, bestellte ich mir eine Spindel, fand ein Buch zum Spinnen, kaufte mir ein Kilo Kardenband und begann zu spinnen.

ganzEtwa einen Monat später war das Kilo versponnen und ich fand eine neue Spindel, entdeckte Priscilla Gibson Roberts und bestellte zwei weitere Kilo Kardenband. Eines in braun und eines in weiß. Daraus wurde wiederum einen Monat später soviel Garn, dass ich mir einen Pullover stricken konnte. Und danach war ich der Meinung, ich könne nun spinnen und habe seitdem nicht mehr aufgehört immer mehr über das Spinnen zu lernen ;o).

Mit dem Spinnen kam schnell der Wunsch nach Färben. Mein erstes Färbebuch war das Twisted Sisters Sock Workbook von Lynne Vogel. Es eröffnete mir die Welt des Färben mit synthetischen Farben, in der ich einige Zeit schwelgte, doch dann fehlte was. Ich wollte nicht mehr mit Erdöl färben, denn ich war damals schon der Meinung, dass man die begrenzte Menge Erdöl, die uns zur Verfügung steht besser für Herzklappen und so etwas nützliches aufhebt, als für bunte Klamotten.

Also suchte ich nach Informationen über Naturfarben und fand Jill Goodwin, Rita Adrosko, Ida Grae, Jenny Dean, Karen Casselman, India Flint und all die anderen großen Färberinnen. Und ich war für immer an die Färberei verloren.

Irgendwann, so um 2006 herum, hatte ich eine große Motteninvasion in meinen Wollvorräten, so dass ich fast alle Vorräte wegwerfen musste. Frustriert von dem Verlust, wendete ich mich Baumwolle und Leinen zu. Und stellte fest, dass es sehr wenig Literatur zum Färben von Baumwolle und Leinen mit Pflanzenfarben gibt. Das wiederum reizte meinen Verstand und ich stürzte mich in die Erforschung dieser Techniken. Darüber landete ich bei Indigo, dem Klassiker für Baumwolle, fand Informationen zu dem Thema in Japan und Indien und vertiefte mich immer weiter in das Thema, bis ich kaum mehr etwas anderes machte. Daraus resultierte schließlich mein großes Färbe- und Faserbuch, das ich 2015 veröffentlichte.

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2005 veröffentliche ich meine Anleitung zum Handspindel spinnen als freies eBuch, das heute immer noch durch das Internet geistert.

2008 war ich zum International Shibori Symposium in Paris.

2011 in La Rochelle zum International Symposium and Exhibition on Natural Dyes ISEND 2011 und

2014 in Japan bei Bryan Whitehead, um mein Wissen um Katazome und Shibori zu vertiefen.

Seit 2006 bin ich Mitglied bei der Online Guild of Weavers, Spinners and Dyers und habe dort 2009 meinen ersten Onlinekurs gehalten. Es folgten noch viele Weitere im Bereich Weaving on a Rigid Heddle and Backstrap Loom, Spindle Spinning, Supported Spindle Spinning und natürlich Indigo Dyeing und Dyeing and Printing with Natural Dyes.

Seit 2012 Färbekurse vor Ort und Onlinekurse im Internet (mehr Informationen dazu hier)

Seit 2012 habe ich mein Gewerbe angemeldet und von 2012 bis 2015 die Kaltbeize AL verkauft.

Und April 2015 konnte ich mein Färbebuch ‚Von Fasern, Farben und Fäden – Eine Anstiftung zum selbstbestimmten Umgang mit Textilien‚ fertigstellen und veröffentlichen.

Mitte 2015 gab ich dann den Verkauf der Färbezutaten auf, um mich mehr dem Färben an sich und dem Lehren widmen zu können. Und seit Januar 2016 habe ich endlich ein eigenes Studio und muss nicht mehr alles aus meinem Wohnzimmer heraus machen.

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