Farben

Buchbesprechung: The Art and Science of Natural Dyes

The Art and Science of Natural Dyes. Principles, Experiments, and Results
Joy Boutrup and Catherine Ellis

Schiffer Books. 2018.
ISBN 978-0-7643-5633-9

Sprache Englisch, Ringbindung.
Preis: rund 55 EUR (inkl. Porto aus den USA)

Ich habe lange auf dieses Buch gewartet. Seit Jahren schleiche ich um die Kurse von Boutrup und Ellis bei maiwa herum. Als ich dann erfuhr, dass beide planten ein Buch zu veröffentlichen, war ich überglücklich. Letzten Juni konnte ich es dann endlich vorbestellen und dann wartete ich. Der geplante Veröffentlichungstermin verstrich, wurde verschoben, dann wurde das Buch doch endlich publiziert, war aber nicht bei amazon.de erhältlich, es wurde weiter verschoben, bis ich endlich Anfang Februar, nach der x-ten Verschiebemail, die Faxen dicke hatte und es dann doch in den USA bestellte. Und siehe da, nach einer Woche hatte ich es endlich im Briefkasten. Sollte es jemand bestellen wollen, rate ich dazu direkt zu amazon US zu gehen, Europa scheint (noch?) Lieferschwierigkeiten mit dem Buch zu haben.

Boutrup/Ellis sind bekannte Textilwerkerinnen. Catherine Ellis ist US Amerikanerin und ich kannte sie schon von ihren Publikationen im Journal und natürlich von ihrem Buch „Woven Shibori“. Joy Boutrup ist Dänin, die textile engineering und textile chemistry studiert hat. 2008 trafen sie auf Michel Garcia und begannen sich mit seiner Art der Naturfärberei auseinanderzusetzen.

Sollte ich „The Art and Science of Natural Dyes“ kurz beschreiben, wäre es ‚eine englische, schriftliche Zusammenfassung der Färbestudien Michel Garcias‘. Jede Färbetechnik in dem Buch wedelt mit den Armen und deutet auf Michel Garcia. Was keine schlechte Sache ist. Michel Garcias Bücher sind inzwischen auch schon ein paar Jahre alt, auf Französisch und er ist zwar ein begnadeter Färbechemiker, aber leider kein besonders guter Lehrer. Er setzt einen viel zu großen chemischen Hintergrund bei seinen Schüler*innen voraus und wenn man sich seine Färbetechniken anhand seiner Kurse, DVD und Bücher aneignen möchte, muss man bereit sein sehr viel selber zu experimentieren bis die Färbungen dann auch klappen. Ich denke immer noch mit einem leichten Schaudern an dieses eine Jahr zurück, in dem drei weitere Färberinnen und ich versucht hatten, nach einem Kurs bei ihm, seine Fructoseküpe zu verstehen und praktikabel zu machen.

Und hier setzt bis zu einem gewissen Grad dieses Buch ein. Boutrup/Ellis haben die Techniken Garcias genommen und in die Wirklichkeit transportiert. (Etwas, was ich in einigen Bereichen auch schon in meinem Buch getan habe.) Sie gehen kurz auf die unterschiedlichen Fasern und deren physikalischen Aufbau ein, unterstützt von hübschen Illustrationen und einfachen, klaren Beispielfärbungen, die nicht geschönt worden zu sein scheinen. (Anders als in den meisten anderen Färbebüchern.)

Beispielfärbungen unterschiedlicher Beizen auf Baumwolle mit Vorbereitungsbeizen und der Endfärbung mit Reseda und Krapp

Sie beschreiben die unterschiedlichen Arten der Farbstoffe, Pigmente, Färbevarianten, Beizen, und den chemischen Hintergrund der Naturfärberei (wie funktioniert es auf chemischer Ebene und was geht da ab). Im zweiten Drittel geht es in die spannenden Bereiche des Drucken auf Stoffe. Das letzte Drittel des Buches ist eine Ansammlung aller vorher erwähnten Rezepte. Was ich sehr mag und als sehr übersichtlich empfinde.

Spannend für mich war besonders ein Rezept, nämlich wie man mit Indigo auf Stoffe druckt. Und zwar nicht nur so, wie ich es bislang praktiziert habe, indem ich eine kleine Küpe ansetze und Sojamilch als Bindemittel verwende, sondern mit einer Indigopaste, die auf dem Stoff erst reduziert und mit einiger Nach- und Weiterbehandlung eine haltbare Verbindung auf den Fasern eingeht. Wie gut umsetzbar dieses Rezept ist, werde ich erst in den nächsten Wochen ausprobieren können. Die Vorbereitungen für das Rezept allein sind schon etwas langwieriger. Aber es werden immer noch Chemikalien verwendet, die weitgehend unbedenklich sind. (Aufpassen sollte man immer.)

Auch die Tonabdeckpaste, die Garcia seit Jahren in Anlehnung an den europäischen Blaudruck verwendet, ist gut erklärt. Mir liegt sie nicht sonderlich, ich mag die Reispaste aus dem japanischen Katazome lieber, aber immerhin ist Garcias Paste ebenfalls ziemlich unschädlich.

Ich bin nach wie vor keine besondere Freundin von Zinn(II)chlorid als Beize, in diesem Buch wird sie als unschädlich angepriesen und verwendet. Immerhin weisen sie auf die Problematik der Entsorgung bei Kupfersulfat bzw. -acetat hin und natürlich darauf, dass Kaliumdichromat aufgrund seiner hohen Giftigkeit ein absolutes no go ist.

Es wird sich auch ausführlich dem Thema Echtheit der Färbungen gewidmet. Anders als der Färbezweig rund um India Flints mehr spielerische und emotionale Färbungen (absolut keine Kritik), kommt Michel Garcia von den traditionellen südfranzösischen Färbern des 18. Jahrhundert. Hier werden nur einige wenige, bekannte Farbstoffe/Pflanzen verwendet, die dann in ihren Mischungen und mit Hilfe von unterschiedlichen Beizen, eine breite Fabrpalette erzeugen. Dafür sind die Färbungen auf Echtheit ausgerichtet.

Inseltest:
Wäre dies das einzige Färbebuch, das ich auf die einsame Insel mitnähme? Nein. Dazu ist es zu aufwändig. Die Färberezepte erfordern eine größere Ausrüstung, man benötigt doch einiges an Chemikalien und die Färbungen selbst sind nicht mal so nebenbei zu erledigen.

Anfängerinnengeeignet:
Letzttendlich sind es Rezepte für Profis und Semi-Profis. Und auch wenn ich mir wünschen würde, dass dieses Maß an wissenschaftlicher Genauigkeit auch die Anfängerin im Naturfärben ansprechen würde, bezweifle ich, dass es das beste Anfänger*innenbuch auf dem Gebiet wäre. (Vom Englisch mal ganz abgesehen.) Man braucht doch ein gewisses Grundlagenwissen im Naturfärbebereich, um alle Rezepte wirklich gut nachvollziehen zu können.

Aufmachung:

Ich bin immer noch etwas über die Aufmachung verwundert. An sich habe ich überhaupt nichts gegen Ringbindung, schon gar nicht, wenn sie so hochwertig ist wie diese hier. Aber: Wenn ich eine Ringbindung habe, fände ich es schön, wenn ich dann das Buch auch komplett aufklappen könnte und umklappen könnte, um es beim Arbeiten neben mir offen liegen zu haben. Bei dieser Ringbindung klappt sich das Buch wie ein normal gebundenes Buch auf. Wie bei Ringbindungen üblich quietscht es beim Umblättern und manchmal verhaken sich die Seiten. Und wieso wurden die Schmutzseiten vorne und hinten nicht eingebunden, sondern nur eingelegt?
Das Buch ist nicht billig und es ist an sich auch nicht billig gemacht. Der Umschlag ist stabil und dick, aber diese Bindung ist eigenartig und bei dem Preis nicht ganz verständlich.
Ich bin auch nicht wirklich von dem Glanzpapier begeistert. Die hinter der Aufmachung stehenden Überlegungen verstehe ich nicht ganz.

Fazit:
Ich liebe das Buch und es entspricht inhaltlich definitiv meinen Erwartungen. Was ich mir vorher aus den Kursen, DVD und den französischen Büchern Michel Garcias mühselig zusammengesucht habe, finde ich hier nun an einem Ort und in einer Sprache, die ich deutlich leichter verstehe. Allein dafür hat sich das Warten und auch der zugegebenermaßen nicht gerade kleine Preis gelohnt.

Ich freue mich auf das Experimentieren mit Indigo und vielleicht ein paar anderen Rezepten.

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