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Welterschöpfungstag – Earth Overshoot Day

Am heutigen 8. August hat die Menschheit, das wären dann du und ich und all die anderen, die diesjährigen Ressourcen der Erde aufgebraucht. Ab heute leben wir auf Pump.

Grundsätzlich kann man sich alles Leben auf der Erde so vorstellen wie ein ganz normaler Bauernhof mit Einnahmen und Ausgaben. Die Einnahmen sind das, was der Bauernhof produziert – an Pflanzen und Tieren, an Wasser und Sauerstoff, an fruchtbarem Boden und anderen Rohstoffen. Die Ausgaben sind das, was dem Bauernhof entnommen wird – an Pflanzen und Tieren, was an CO2 und verschmutztem Wasser wieder zurückgeleitet wird, was unwiederbringlich an Rohstoffen entnommen wird. Alles organischen Rohstoffe sind endlich. Wir entnehmen sie der Erde und normalerweise führen wir sie in Form von organischen Abfällen wieder der Erde zurück, wo sie wieder in für Säugetiere brauchbare Rohstoffe umgewandelt werden. Wenn wir aber nun mehr sauberes Wasser, saubere Luft entnehmen und mehr Pflanzen abholzen und ernten und mehr Tiere großziehen und töten, als in diesem Kreislauf wieder nachwachsen kann, bzw. gereinigt werden kann, dann leben wir auf Pump.

Die Tatsache, dass wir mehr und schneller natürliches Kapital verbrauchen als die Erde reproduzieren kann, kann mit Kosten verglichen werden, die unser Einkommen permanent übersteigen. In globalen Dimensionen gesprochen, werden die Kosten, die Schulden unseres ökologischen Raubbaus immer deutlicher sichtbar. Klimawandel- ein Ergebnis von Treibhausgaseffekten die schneller abgesondert werden als sie von den Wäldern und Ozeanen aufgenommen und umgewandelt werden können- ist das offensichtlichste und erdrückendste Ergebnis. Aber es gibt auch andere – schrumpfende Wälder, der Rückgang an Artenvielfalt, Überfischung, steigende Rohstoffpreise und soziale Unruhen, um nur einige zu nennen. Die ökologische und ökonomische Krise welche uns erwarten sind Symptome einer sich anbahnenden Katastrophe. Die Menschheit verbraucht mehr als unser Planet zur Verfügung stellen kann. (*Global Footprint Network)

Das Global Footprint Network (die Seite gibt es auch auf Deutsch, falls sie zuerst auf Englisch angezeigt werden sollte) sammelt zusammen mit der new economics foundation (nef) seit knapp 30 Jahren die Daten, die auf den Verbrauch von Ressourcen durch die Menschheit schließen lassen. War der Earth Overshoot Day 1987 noch der 19. Dezember, so war es 2000 schon der 1. November, 2010 der 21. August und seitdem passiert es in immer kürzeren Intervallen immer früher im Jahr, dass wir die wiederauffüllbaren Ressourcen der Erde aufgebraucht haben. Heute schon benötigen wir die Ressourcen von 1,5 Erden. Wenn der Verbrauch so weitergeht, bräuchten wir 2050 2 Erden.

Die wir nicht haben!!!

Wir haben bloß diese EINE ERDE!

Als Handwerkerin habe ich natürlich ein Problem. (Wie wir Crafterinnen überhaupt.) Macht es Sinn weiter zu produzieren? Ich färbe zwar fast ausschließlich gebrauchte Stoffe. Also Stoffe, deren Produktion teilweise schon so lange zurück liegt, dass es keine Rolle mehr spielt. Aber ich benötige trotzdem immer noch frisches Indigo und all die anderen Farbstoffe. Frische Zutaten und Energie (auch wenn meine entwickelten Färbeverfahren nicht so unendlich energieträchtig sind, benötige ich immer noch Wasser in begrenzten Mengen und in begrenzten Mengen auch Energie zum Auskochen der Fasern usw.)

Und dann habe ich also meine Stoffe gefärbt und was dann. Dann lagern sie entweder bei mir oder ich gebe sie weiter an andere Menschen, die sie eigentlich auch nicht benötigen, denn wir ertrinken doch wahrlich in Textilem. Sichert der Kauf von meinen Produkten, die aus recycelten Stoffen hergestellt wurden denn zu, dass nicht zusätzlich noch neue Produkte gekauft werden? Absolut nicht. Selbst ich kaufe mir selten, aber nichtsdestotrotz, ab und zu ein neues Klamott. Einfach weil ich es immer noch nicht hinbekommen habe, mir eine Jeans zu nähen, die an die kommerziellen im Tragekomfort heranreicht.

Wieviele von unseren Dingen benötigen wir eigentlich wirklich? Brauchen wir drei oder mehr Spinnräder? Brauche ich 50 Spindeln? (Oder wie viele ich nun habe, ich habe die Zählung irgendwann verloren.) Vielleicht sollten wir alle wirklich mal für einen Monat oder ein halbes Jahr oder sogar ein Jahr aufhören neue Dinge zu kaufen und nur die Sachen benutzen, die sich ohnehin schon bei uns befinden. Und vielleicht nach Tauschmöglichkeiten suchen, wenn wir wirklich etwas benötigen, was wir noch nicht haben. Gibt es dafür ein Netzwerk? Gibt es dafür andere, die mitmachen würden?

Ich versuche es einfach einmal.

Ich möchte die nächsten 4 Wochen nichts mehr kaufen, das ich schon im Haus habe. Wenn es mir nicht gefällt, muss ich erst zuschauen, ob ich vorhandenes umändern kann. Einzig frische Lebensmittel und andere nur eingeschränkt vorhandene oder haltbare Verbrauchsgüter (wie Briefmarken etc.) sind von dem Vorhaben ausgenommen.

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Ein Kommentar zu „Welterschöpfungstag – Earth Overshoot Day

  1. eigentlich gibt es bei mir seit laengerem in jedem jahr monate, wo ich nichts neues kaufe – also natuerlich lebensmittel und andere artikel zum taeglichen leben, aber eben keine klamotten, schuhe, hobbydinge etc…. aber ich habe immer das gefuehl, dass es kaum was nuetzt, wenn einzelne da versuchen, zurueckzuschrauben – wenn die grosse masse der verbraucher immer noch nach hoeher/groesser/weiter – neuer strebt:( und wenn man mit anderen drueber redet, rennt man beinahe immer entweder schon offene tueren ein – oder erntet veraechtliche blicke von den leuten, die immer noch meinen, das man schon irgendwie spinnt, wenn man sich dem „ich brauche neue klamotten, ich hab meine schon mind. 1mal gewaschen“ verweigert:( und weil dem so ist, habe ich praktisch aufgegeben, mich mit anderen darueber auszutauschen – und proeddel wie gehabt fuer mich selbst so vor mich hin, wie ich denke, dass es sinn macht:(

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