Meandern

Unravel (2012)

Schon ein bisschen älter ist die Produktion von Soul Rebel FilmsUnravel. Leider steht der ganze Film nun bei aeon.co und ich weiß nicht, wie ich ihn einbetten kann. Wer ihn sich also anschauen möchte, muss auf Unravel klicken.

Um was geht es? Der Film zeigt in 14 Minuten, was mit unserer abgelegten Kleidung geschieht, die eben nicht in Afrika landet und dort den gesamten Bekleidungsmarkt zerstört hat, sondern die Kleidung, die weiterverkauft wird nach Indien.

In Nord-Indien sitzen Fabriken, in denen per Hand die Kleider auseinandergenommen, zerrissen, gewolft, kardiert und zu Faden neu versponnen werden. Letztendlich werden dann aus diesen Kleidungsstücken Decken gewebt, die wieder in den Westen exportiert werden. Irgendwelche meiner billigen Hundedecken aus Mischgewebe könnten also durchaus dort hergestellt worden sein.

Spannend ist aber zu hören (bzw zu lesen, da die Befragten alle die dort übliche Sprache und kein Englisch sprechen), was die (meist) Frauen denn über die Kleidung und vor allen Dingen die Menschen denken, die so leicht diese noch guten Kleidungsstücke weggeben. Warum geben diese Menschen Kleidung weg, die nur ein paar Mal getragen wurde. Eine der spannendsten Mutmaßungen ist, dass im Westen wohl Wasserknappheit herrschen muss und es für die Leute dort günstiger kommt, die Kleidung dann einfach wegzugeben als sie zu waschen. Oder die Frauen, die sich Fragen wer die armen Dinger sind, die dazu gezwungen werden Unterwäsche mit falschen Glitzersteinchen zu tragen.

Und dann natürlich die Faszination mit dem Fremden. Wie gerne würden einige von ihnen doch auch einmal in den Westen reisen und diese Ausländer von Angesicht zu Angesicht sehen. Sehen, wie sie diese Kleidung wirklich tragen. In ihrer ganzen Eleganz. Vorgetragen von einer der schönsten Frauen, die ich jemals gesehen habe.

Exotik ist immer anziehend. Ich finde indische, chinesische und japanische Frauen unglaublich attraktiv. Ihr Kleidungsstil, ihre Haltung, all das ist anziehend. Umgekehrt finden sie uns unglaublich attraktiv. Japanische Strickzeitschriften laufen über vor britischer Landhausmode und bayerisch-österreichischem Trachtenstrick. Japanische Nähbücher werden in Tschechien fotografiert, weil es dort so idyllisch ist und man so spannende Accessoires kriegen kann. Oder anders formuliert: The grass is always greener on the other side.

Ich sehe solche Dokumentationen gerne, einfach weil sie mich immer wieder auf den Boden zurückholen. Wir jammern und leben auf enorm hohen Niveau. Das müssen wir uns immer wieder einmal klar machen.

In diesem Sinne, noch eine schöne Woche.

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4 Kommentare zu „Unravel (2012)

      1. Ja, na klar, Sie ist sehr sehr gut, aber für Leute wie mich als Hochsensible auch heftig. Also viel neues hab ich nicht mitgenommen, da ich mich ja schon lange mit dem Thema beschäftige, aber es ist einfach toll das das Thema aufgegriffen wird und zwar sehr ausführlich. Hab auch den kleinen Ausstellungskatalog gekauft, allerding sehr viel text und der war noch aus Hamburg, hab ich hinterher festgestellt, so das die ganze lokale Szene fehlt, das war für mich natürlich auch spannend.

  1. was essen wohl leute, die so dick sind, dass 4 von ihnen in eine solche hose passen? und wer koennte wohl so ein ding tragen (badeanzug) – ich glaube, so gern sie sehen wuerde, wer die sachen traegt, es waere bestimmt ein ziemlicher schock fuer sie, die realitaet zu sehen! guter film – auch, wenn ich im prinzip natuerlich weiss, auf welchem untragbaren niveau wir im westen leben – kann es nicht schaden, es sich selbst immer mal wieder „reinzureiben“!

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