Flicken · Meandern

Darn

To darn something ist Englisch und bedeutet etwas flicken, stopfen. Darn ist aber auch ein Ausruf wie Verdammt! 

Den März brachte ich hauptsächlich damit zu, meine Wollsachen in Ordnung zu bringen. Alles fing mit der Endwinterwäsche der Pullis an. Doch der eine oder andere Pulli zeigte Auflöseerscheinungen und Altersabschabungen und dann kamen noch ein paar Löcher in Socken hinzu, die eine durch mein engmaschiges Überwachungsnetz geschlüpfte Motte angerichtet hatte (respektive ihre Kinder). Und so flickte und stopfte ich.

Die Socken und die farblich stimmigen Flickungen zeige ich nicht. Das ist langweilig. Was ich aber zeigen möchte, sind meine „anderen“ Flicken. Nach dem dritten Pullover, der freundlich und möglichst unsichtbar gestopft wurde, hatte ich keine Lust mehr. Unsichtbares und freundliches Stopfen ist langweilig. Macht weder mir noch dem Zuschauer Spaß und wen will ich damit denn verarschen? Das ist wie mit meinen Haaren. Jeder weiß, dass meine Haare grau sind, (das sind sie schon seit ich 20 bin), weswegen ich den Undercut auch grau lasse und mich in den längeren Deckhaaren farblich austobe. (Leute beschreiben mich inzwischen schon als ‚Die, mit den immer wechselnden Haaren?‘)

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Dies war ursprünglich ein Pulli meines Mannes. Pullis (und Hemden) sterben bei ihm immer eines Scheuertodes. Am Bauch, weil er zu eng am Tisch in der Arbeit sitzt und am Arm, weil er es irgendwie schafft sich den rechten Unterarm aufzuscheuern. Und wie man sehen kann, ordentlich aufscheuern, nicht einfach nur ein bisschen.(Inzwischen haben sie neue Tische bekommen und es hat aufgehört. Es lag also wohl nicht ausschließlich an meinem Gatten.)

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Ich hatte keine Lust dieses riesige, zerfranste Loch „normal“ zu Stopfen. Aus einem einfädigen Garn habe ich schließlich einen großen Lappen gestrickt und ihn einfach auf den Ärmel aufgenäht. In die Arbeit zieht er den Pullover ohnehin nicht mehr an.

Bei meinem nächsten Projekt wurde es dann bunt.

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Einer meiner beiden Lieblingspullover. Ich habe ihn vor 25 Jahren aus Garn gestrickt, das von einem aufgetrennten Pulli meines damaligen Lebensgefährten stammte. Durch das Zopfmuster reichte die Wolle nicht, also besorgte ich mir noch etwas schwarze Wolle dazu. Nun war er am unteren Bündchen, am Ärmelbündchen, unter den Armen durchgescheuert und hatte noch ein kleines Loch am Ärmel. 
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Erst flickte ich unterm Arm. Und fand mich schon mutig, dass ich schwarz nahm. Little did I know ;o)
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Auch das kleine Loch wurde noch mit schwarz geflickt. Und dann sah ich mir die abgeschabten Bündchen näher an. Ich hätte nun ein ecru nehmen können und mit Maschenstich (swiss darning) anfangen können die rechten und linken Maschen des Bündchen zu imitieren. Oder ich konnte es auch sein lassen und einfach eine Häkelnadel und ein bisschen buntes Sockengarn nehmen. 
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Die erste Reihe wurde in die gestrickten Maschen eingehäkelt. Die zweite Reihe war dann frei und die Rückreihe ging dann wieder in die Maschen des Bündchen, damit Halt da war. Am wie abgefressen aussehenden Rand, nahm ich dann die Maschen mit, damit alles geschützt ist und zog den Häkelflicken noch über den Rand hinaus, um eine Art gleiche Höhe mit dem Gestrick zu finden. 
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Am unteren Bündchen machte ich es ähnlich. 
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Jetzt hält er auch noch die nächsten 25 Jahre. 

Etwa alle fünf Jahre muss eine neue Jeans her. Dann ist die alte so durch, dass sich Flicken einfach nicht mehr lohnt. Nun trage ich eine Hosenlänge von 33 inch. Was offensichtlich unbeliebt ist, denn ich kriege entweder 32 inch Hosen oder 34 inch Hosen. 32 ist mir für meinen Geschmack in der Regel einen Ticken zu kurz und 34 ist eindeutig zu lang. Also 34 kaufen und abschneiden. Und wo ich gerade am Flicken war, gab es auch gleich noch einen neuen Saum für die Jeans.

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Jeans mit neuem Saum und dem abgeschnittenem Bündchen. (Wie man an den Schlammspritzern sehen kann, hatte ich sie schon getragen bevor ich das Foto machte.)
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Der abgeschnittene Saum ist eingefasst mit dem neuen Saum, um der Jeans ein bisschen mehr Schutz zu geben. 
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Und alles schön abgesteppt. 
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5 Kommentare zu „Darn

  1. oergs, mending… finde ich auch nicht sooo toll:) bei Michael hab ich allerdings glueck, dass es meistens nur die untersten aermelbuendchen an pullis sind, die leiden. meist sehe ich es rechtzeitig, sodass ich einfach zwei oder drei reihen in einer anderen farbe anstricke, geht am schnellsten. ich habs bei mir selbst da gut – da ich sehr selten wollsachen trage, trage ich auch sehr selten wollsachen auf:) der nachteil ist allerdings, dass man durchgescheuerte t-shirts (bei mir meist unter den armen) nicht so wirklich toll flicken kann, zumal meistens zu dem zeitpunkt auch die farbe unter „nach 3000 mal waschen undefinierbar“ faellt, deswegen schenk ich mir das normalerweise und mache aus den alten t-shirts streifen fuer matten etc… nur meine wollsocken, die muessen immer mal ran, weil ich generell loecher in der ferse produziere. also entweder „ueberstricken“ – oder eine afterthought heel austauschen. aber da sammel ich es meist ne weile, bis sich das ganze auch lohnt (vorher wird aber ordentlic procrastinated, wer will schon dauernd socken flicken:)… dann brauchst du ja erstmal gar keine neuen pullis, wenn die geflickten mind. nochmal 25 jahre halten!!

  2. Hallo!

    Ich finde das gerade total wunderbar, wie viele tolle Flickarbeiten Du in letzter Zeit gemacht hast.

    Besonders lachen musste ich wegen dem rechten Arm. Herr Widerstand hat in letzter Zeit auch einige Jacken am rechten Arm kaputt gemacht. Das ist der Spiele-Ellbogen, weil er so gerne am PC spielt.

    Nun habe ich ein paar nette Ideen bekommen, wie ich das künftig kreativ lösen kann.

    Hättest Du Lust diesen Beitrag zu meiner Linkparty „fix it – reparieren ist nachhaltig“ zu verlinken?

    Derzeit hier zu finden https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2016/05/01/fix-it-reparieren-ist-nachhaltig-14/

    Würde mich sehr freuen. Ich sammle verschiedene Reparaturanleitungen und freue mich immer ganz besonders, wenn so kreative wie Deine dabei sind!

    lg
    Maria

    1. Im Falle meines Gatten kommt es natürlich auch vom Mausarm, allerdings von der Arbeit. Zum Glück haben sie nun neue Tische, das war echt lästig, sag ich dir.
      Ich habe den Artikel nun verlinkt, ich hoffe, das hat so geklappt.

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